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Sonntag, Februar 27, 2011

Shame Canada!

Auf die Frage, ob er an die Evolutionstheorie glaube, antwortete Mr. Goodyear, Kanadas Minister für, ja, tatsächlich, Wissenschaft:
 I'm not going to answer that question. I am a Christian, and I don't think anybody asking a question about my religion is appropriate
Übersetzung (von mir): Ich werde diese Frage nicht beantworten. Ich bin Christ und ich halte jede Frage zu meiner Religion für unangebracht!

Äh? Wie belieben!? Gibt es neuerdings einen Zusammenhang zwischen Evolutionstheorie und Religion? Und hat die Akzeptanz der ET irgendwas mit Religion zu tun? Und sollte nicht ein Wissenschaftsminister Auskunft über sein Verhältnis zu (einer) der wichtigsten wissenschaftlichen Theorie(n) geben können? Und vor allem: müßte die Antwort eines Ministers für WISSENSCHAFT auf die o.g. Frage nicht ausschließlich aus einem satten: "Selbstverständlich!" bestehen?
Naja, vielleicht nicht unbedingt bei einem, der von Beruf Nackenbrecher, auch bekannt als Chiropraktiker, ist.
Von einem Protagonisten einer Form von unwissenschaftlichem Quacksalbertum darf man wohl erwarten, daß er der wissenschaftlichen Methode sowie auf Evidenz beruhenden und ohne Mythologie auskommenden Theorien mit einem gesunden Maß an Skepsis gegenübertritt, oder?

Womit muß ich also als nächstes rechnen in Kanada?

Sagt der Innenminister, der den Job nach einer Haftstrafe wegen Terrorismus' angetreten hat, auf die Frage, was er von der Verfassung hält: "Ich werde diese Frage nicht beantworten! Ich bin ein Faschist und halte Fragen zu Verschwörungen der Liberalen und Demokraten für unangebracht!"?
Sagt der Finanzminister, der wegen Steuerhinterziehung nur aus dem Exil arbeitet, auf die Frage, was er von Steuergerechtigkeit und Transparenz hält: "Ich werde diese Frage nicht beantworten! Ich bin ein reicher Gangster und halte Fragen zu demokratisch-unkapitalistischem Scheissdreck für unangebracht!" ?
Sagt der Gesundheitsminister, der Inhaber eines Tabakkonzerns st, auf die Frage, was er von Impfungen hält: "Ich werde diese Frage nicht beantworten! Ich bin ein Idiot und halte Fragen zu Verfahren, die Autismus auslösen für unangebracht!"?

Noch eine Frage, Kanada: wieso hast Du diesen Arschclown Goodyear nochmal nicht sofort wegen erwiesener Unzurechnungsfähigkeit und Amtsuneignung mit einem Arschtritt gefeuert? Und wenn Du das nicht vor hast: wann stellst Du mich als Minister für Religion ein? (Ich kann immer donnerstags)

Mittwoch, Februar 04, 2009

Tu quouque, mi England?

ok, das ist ein bißchen geheuchelt, ich mochte England (das übrigens 2008 nicht bei der EM dabei war, ha!) nie wirklich, diese kleine Affeninsel mit ihrem schlechten Essen, kreischigen Weibern und vierschrötig-talgigen Kerlen, aber DAS ist selbst für England, immerhin der Heimat von Richard Dawkins, wirklich ganz schwach:
Laut einer aktuellen Umfrage glauben mehr als die Hälfte der Briten, dass die darwinistische Evolutionstheorie über den Ursprung der Arten, die Komplexität des Lebens nicht vollständig erklären könne und statt dessen ein überirdischer "Designer" seine Hand im Spiel gehabt habe.
Normalerweise reagiert ja der Brite äußerst verschnupft, wenn man ihn kulturell, sprachlich oder sonstwie in der Nähe der als primitiv, unkultiviert und unzivilisiert empfundenen Amerikaner einordnet. Tja, kauft ne Packung Kleenex, denn Ihr Briten seid genauso primitiv, unkultiviert und unzivilisiert, wie die Amerikaner! Ein Prozess, der sich schon lange abzeichnet (binge drinking, Impfverweigerung, die verdammte Queen) findet in der nun mehrheitlichen Abwendung von Wissenschaft und Ratio seinen traurigen Höhepunkt, zum Glück ist Dawkins noch nicht tot, so muß er nicht im Grabe rotieren.
Aber letztlich fühlt Ihr Euch vermutlich doch ganz wohl dabei, Ihr seid ja schließlich auch mit dem irren Tony Blair an der Spitze und Eurem mißratenen Ableger (USA) an der Seite in den ach so bösen Irak einmarschiert - gab ja lange nix mehr zu erobern, ne?

Freitag, August 15, 2008

Neues aus Idiotistan

Ich melde hiermit "Idiotistan" als offiziellen Namen für den "Vergnügung"- bzw. Belügungspark an, der ja demnächst in der Nähe Heidelbergs die Landschaft verunzieren soll, wie schon erwähnt.
Dies scheint geboten, da das ganze idiotische Projekt von Idioten für Idioten gedacht und offenbar durch den König der Idioten geplant wurde.
Abgesehen davon, daß nach deutschen Gesetzen dieser Bums wohl sowieso nie eröffnen wird, solange man es Behinderten und Häßlichen mit dem üblichen Verweis auf eine Stelle des Idiotenbreviers
„Denn keiner mit einem Gebrechen darf herantreten: kein Blinder oder Lahmer, kein im Gesicht oder Körper entstellter.“ (3. Mose, 20,21)
verbietet, den Park zu betreten, scheint die Idee für ganze Chose sowieso entweder auf den durch einen vermutlich faustgroßen Hirntumor oder durch das batterieweise Einschmeißen von LSD, Psilo-Pilzen und Crystal Meth hervorgerufenen Halluzinationen des Idiotenkönigs, Gian Luca Carigiet, der das "Projekt" leitet, entstanden zu sein.
Mit leuchtenden Augen beschreibt der bibelfeste Betriebsberater, wie ein Engel an sein Bett getreten sei und gesprochen habe: „Nicht nur die Arche sollst du aufstellen, auch den Turm zu Babel und die heilige Stadt Jerusalem und viele weitere Orte und Personen aus dem Buch der Bücher. So sollst du die Menschen lehren, dass alles wahr ist, was darin geschrieben steht. Den Darwin aber und seine Spießgesellen sollst du Lügner heißen.“
Der Typ hat übrigens einen Rauschebart, überrascht das jemanden (und geht es nur mir so, daß ich Probleme habe, Typen mit Rauschebart als ernstzunehmende Gesprächspartner aufzufassen? Ich meine, wer hat schon einen Rauschebart? Reinhold "Yeti" Messner, der Weihnachtsmann, Mönche...alles irgendwie Kaputte, oder)?

Natürlich ist der Welt-Artikel eine Satire, aber er beweist mal wieder, daß das Poe'sche Gesetz zutrifft, das da lautet:
"es ist unmöglich eine Parodie auf Fundamentalismus zu kreieren, die nicht von irgendwem für wahr gehalten wird".

Das Schlimme ist: den Park soll/wird es tatsächlich geben

Freitag, Mai 30, 2008

Ein Land, das es nicht geben sollte - Reloaded

Leider! Ich war damals schon geschockt, zu erfahren, daß in der Schweiz ein Kreationisten-Spaßland zur Kinderindoktrinierung gebaut werden sollte, vermutlich als europäische Antwort auf das idiotische "Creation Museum" in den USA. Da sich die Schweizer mittlerweile ja auch als nicht eigentlich zurechnungsfähig erwiesen haben, wundert mich das im Nachhinein nicht mehr so sehr. Was mich auch nicht wundert, dafür aber unglaublich abfuckt, ist, daß diese Fanatiker ihre kranken Ideen nun auch noch nach Deutschland exportieren wollen. Es ist der gleiche Verein wie bei dem Schweizer Projekt und man hat Großes vor:
Dort plant die in Zürich ansässige Firma Genesis-Land AG bis 2012 auf einem rund 50 Hektar großen Gelände ihr rund 120 Millionen Euro teures Projekt. Entstehen sollen unter anderem eine in Originalgröße gebaute Arche Noah, Museen, Achterbahn, Hotels und Vortragssäle. Baubeginn für das Projekt soll spätestens 2012 sein.
Man rechnet mit 600.000 Besuchern jährlich und hat extra die Rhein-Main-Region gewählt, um noch möglichst viele US-Touristen abgreifen zu können, da man wharscheinlich berechtigterweise davon ausgeht, daß es unter diesen eine höhere Spinnerdichte gibt, als bei richtigen Menschen. Trotz der damit verbundenen Arbeitsplätze (wobei: Leute, die freiwillig da arbeiten, verdienen es nicht besser) kann man nur hoffen, daß der Laden innerhalb kürzester Zeit pleite geht. Wir leben zwar nicht in einem wirklich säkularen Land, aber ich habe noch soviel Vertrauen in meine Landsleute, daß ich davon ausgehe, daß sie ihren Kindern nicht für viel Geld einen Besuch in Idiotenland zumuten werden.

Höchst erstaunlicherweise kritisiert sogar die Kirche in Deutschland diesen Wahnsinn, die das Projekt als für die "
Vermittlung des Glaubens" hinderlich betrachtet und es ablehnt. Wir haben hier also wieder eine Bestätigung der Regel für das Ausfindigmachen von Fundamentalismus: wenn die Weltsicht und Dogmen einer Gruppe noch reaktionärer, rückwärtsgewandter und weltfremder als selbst die der Kirche sind, kann man diese ohne weitere Prüfung als Fundamentalisten deklarieren und liegt fast immer richtig.

Bleibt zu hoffen, daß Europa dieser Offensive des amerikanisch geprägten Fundamentalismus, der vor allem auch auf die beeinflussbaren Gehirne der Kinder zielt, eine vernichtende Niederlage beibringt. Hat bei Wal Mart auch funktioniert und die sind wesentlich harmloser...

Freitag, März 14, 2008

Scienceblogs auf Deutsch

Jetzt gibt es die Scienceblogs, die in USA vom Seed-Magazin gehostet werden und worunter auuch Pharyngula und andere sehr gute Blogs firmieren, auch auf Deutsch, was ich sehr begrüßenswert finde. Wobei "jetzt" vielleicht nicht ganz richtig ist, da es sie schon ein Weilchen gibt. Aber noch nicht sooo lange und erst recht nicht so lange, daß ich nicht nochmal explizit drauf hinweisen sollte!

Ich habe mir dort im Kommentarthread des Blogs "Darwins Erben" auch bereits einen Schlagabtausch mit einem Pro-Kreationismus-Honk geliefert, bei dem man minutiös deren ewig gleiche, peinlich-pseudowissenschaftliche Taktik nachvollziehen kann.

Ein Besuch lohnt sich! Viel Spaß!

Mittwoch, Februar 20, 2008

Getretener Quark...

das wußte schon unser aller Geheimrat G., wird breit, nicht stark. Die Rolle des Quarks kommt ja seit jeher dem Kreationismus und seinen Pseudopodien (ID etc.) zu. Das "Treten" übernimmt, man höre und staune, nun das erste "wissenschaftliche" "peer reviewed" Journal für "creation research"!! Kein Scherz! Es heißt "Answers Research Journal" und wird vom Kreationistenverein "Answers in Genesis", die auch dieses grauselige "Creation Museum" in USA verbrochen haben, herausgegeben.
Das ist so schrecklich drollig! In keinem einzigen echten, wissenschaftlichen Journal ist auch nur ein einziges Kreationismus-Paper veröffentlicht worden. Nicht eines! Also geht man hin und stampft aus Trotz und Wut diese traurige Travestie einer wissenschaftlichen Zeitschrift aus dem Boden, in der alles veröffentlicht werden darf, allerdings mit der Vorgabe:
from the perspective of the recent Creation and the global Flood within a biblical framework.
Also - übliche religiöse Gepflogenheit - ist die Perspektive und Denkstruktur, die der "Forscher" einzuhalten hat, bereits dogmatisch vorgegeben. Ein grandioses Zugeständnis an freie, objektive und unvoreingenommene Forschung, die die Qualität des Eingesandten erahnen läßt! Es ist auch nicht schwer, sich vorzustellen, welche "peers" das sind, die den Review-Prozess übernehmen, so daß die gesamte Anstrengung eigentlich von vorneherein unkritisiert in sich selbst mündet und zur Bedeutungslosigkeit verkommt. Optisch werden die Paper des ARJ-Journals aussehen, wie echte wissenschaftliche Artikel und man wird sie rein formal auch zitieren können. Exakt das ist es natürlich, was die Macher beabsichtigen: Kreationisten können ihr wirres Gesülze nun in einer Zeitschrift mit wissenschaftlicher Fassade (!) veröffentlichen, können veröffentlichte Artikel unter "Publications" in ihren CVs angeben und in ihren Vorträgen auf "peer reviewd data" verweisen. Der Zweck ist also Täuschung und Augenwischerei! Selbstverstänldich wird dieser Celluloseabfall von der Wissenschaft vollständig ignoriert und niemals zitiert werden und der Impact-Factor des ARJ, als Maß für die wissenschaftliche Bedeutung einer Zeitschrift, wird bei 0,0 festzementiert bleiben.
Aber der Trick könnte dennoch funktionieren, denn der Begriff "peer reviewed" ist ja nicht geschützt. Im Zusammenhang mit dem ARJ bezeichnet er freilich nicht unabhängige Forscher, die auf dem gleichen Gebiet forschen, sondern Gesinnungs- und Ideologie-Genossen als "peers", die also ein ideologisches und eben nicht wissenschaftliches Interesse an der Veröffentlichung von pro-kreationistischen Artikeln haben, wodurch die Idee des "peer review"natürlich komplett korrumpiert wird. Diese Interna der wissenschaftlichen Publikationspraxis sind aber leider nicht allgemein bekannt und so lassen sich ARJ-Artikel vor einem unbedarften Publikum als irreführende Knalleffekte verwenden.
Man kann also nur immer wieder darauf hinweisen, daß das ARJ ein schlecht verhohlenes Propaganda-Organ der Kreationisten ist, daß dort keine echte Wissenschaft veröffentlicht wird und daß jedes Zitat von ARJ-Artikeln exakt das gleiche wissenschaftliche Gewicht hat, wie das Zitat einer Bibelstelle.
Einer der ersten Artikel in ARJ befasst sich übrigens mit der fundamentalen Frage, wann denn (also, an welchem der 7 Tage vor 6000 Jahren) der liebe Gott die Mikroorganismen geschaffen hat. Das Problem ist ja, daß die vollgedrogten Leute, die sich die Bibel ausgedacht haben, noch nichts von Mikroorganismen wußten und diese deshalb darin auch nicht erwähnt werden. Der Kreationist kann aber nicht leugnen, daß es sie gibt, also muß er sie Gott auch erschaffen haben lassen. Aber wann? Der Autor sagt am Ende, daß die Organismen, die in Symbiose mit anderen Organismen, wie Tieren und Pflanzen leben, eben auch am selben Tag, wie diese erschaffen wurden. Die bösen Krankheitserreger hat der liebe Gott natürlich gar nicht erschaffen, die sind erst durch den Sündenfall und den bösen Menschen auf die Welt gekommen...oder so.
So, genug jetzt von der knallharten Wissenschaft, das überfordert einen ja sonst auch.


Freitag, Juli 13, 2007

Aha, der "Experte" meldet sich zu Wort...

und vernachlässigt dabeimal wieder gründlich eine der wichtigsten Kommunikationsregeln:
WENN MAN KEINE AHNUNG HAT, EINFACH AUCH MAL FRESSE HALTEN!!!!!

Herr Mixa (ja, ich weiß, wie verlockend und inhaltlich naheliegend bei dem Namen kleine Verballhornungsspielchen wären) sah sich nämlich genötigt, sein Geschwafel zur aktuellen deutschen und in Hessen gekeimten Kreationismus-Debatte beizutragen, im Rahmen dessen er - natürlich - wie schon seine Gesinnungsgenossin Frau Wolff, forderte, den Kreationismus im Biologieunterricht zu behandeln.

Die absolute Oberfrechheit ist die Behauptung des feinen Herrn Bischofs, die alleinige Vermittlung der Evolutionstheorie zur Entstehung von Leben und Vielfalt habe
etwas Totalitäres und ist auch und gerade aus der Sicht der Wissenschaft unvernünftig
FRESSE HALTEN!!!! Wie kann dieses lächerliche, weltfremde, reaktionäre, misogyne, bayrische Theokraten-Männchen, diese Ikone der Unwissenschaftlichkeit, dieses Fanal des Irrationalen es wagen, zu behaupten, es sei ausgerechnet aus Sicht der Wissenschaft unvernünftig, allein die Evolutionstheorie zu lehren? Es gibt verdammt noch mal keine Alternative in der Wissenschaft und darüber gibt es auch keine Kontroverse. Unvernünftig wäre es - oder, um in seiner Sprache zu bleiben: ein Sakrileg -, den Eindruck zu erwecken, als gebe es in der ernstzunehmenden, modernen Wissenschaft auch nur den Hauch eines Zweifels an der Evolutionstheorie, die immer und immer wieder aus den verschiedensten Disziplinen der Biologie, Biochemie, Medizin, Geologie, Archäologie u.a. durch sich auftürmende Evidenz untermauert wird.
Natürlich ist es aus Sicht eines an einem theokratischen Gottesstaat mit geistig ausgehöhlten, wieder "abgeklärten" kleinen Katholiken interessierten Fundamentalisten wie Mixa einer ist, "unvernünftig", nur (wenn nicht überhaupt) die Evolutionstheorie zu unterrichten, aber dann soll er auch so ehrlich sein und das sagen.
Ja, ich weiß, daß das sarkastisch ist, wegen dieser Religion&Ehrlichkeit=Oxymoron-Geschichte!

Aber gut, dann fordere ich hiermit, als Experte und staatlich zertifizierter Fachmann in Theologie, daß im Religionsunterricht (den es eigentlich gar nicht geben sollte) ab jetzt auch alle Bibel-Geschichten immer auch wissenschaftlich betrachtet werden müssen: wenn also den Schülern diese absurde Arche-Nummer vorgetragen wird, dann soll die Zahl der Arten (bitte nicht die Dinosaurier vergessen, die es ja zu der Zeit nach Bibelmeinung gegeben haben soll), die auf dem Schiff hätten sein müssen, dessen Größe, die Masse der Exkremente und der Futtermittel etc. mal berechnet und aufgrund dessen ein physikalisch mögliches, schwimmfähiges Schiff entworfen (und vielleicht auch schon mal ein Evakuierungsplan konzipiert) werden, oder man sollte die Mindestgröße von Jesus' Mauken berechnen müssen, die nötig gewesen wäre, um ihn vor einem Vollbad in dem Tümpel, über den er angeblich gelatscht ist, bewahrt hätte. Wenn das nicht gegeben ist, dann müßte ich leider totalitäre Züge am System und eine theologisch unvernünftige Haltung bemängeln, wissen Sie?

Nein nein, es sollen schön zwei strikt getrennte Welten bleiben: das Reich der Mythen und von drittklassiger Fantasy, Lügen, Doppelmoral, Hass und Irrationalität bleibt schön die Religion, mit einem überflüssigen und gänzlich optionalen "Unterricht" und im Reich der Naturwissenschaften wird bitte nach wie vor und ausschließlich gelehrt, wie man beobachtet, fragt, denkt und zweifelt und wie man diese Fähigkeiten systematisch und objektiv in den Dienst einer ideologiefreien Welterkenntnis stellt.


Montag, Juli 09, 2007

Armes Hessen, armes Deutschland

Der Kampf geht weiter und der Vormarsch der religiösen Fundamentalisten, die nach US-amerikanischem Vorbild die Verdummung und wissenschaftliche Unbildung der nachwachsenden Generationen in den Schulen beginnen wollen, wird in Hessen nicht nur nicht verhindert, sondern offen begrüßt.
Nach dem arte-Bericht mußte ich ja zu meinem grenzenlosen Entsetzen feststellen, daß die Kreationisten in Deutschland schon angekommen sind und in deutschen Schulen bereits deren Irrlehren in Biologie verbreitet werden (dürfen).
Frau Wolff, die unfaßbarerweise Kultusministerin ist, leistet dieser Gefahr der intellektuellen Entmündigung auch vollherzig Vorschub, indem sie
"eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaften und Religion"
fordert, sowie,
daß die Schöpfungsgeschichte auch im Biologieunterricht zu behandeln
sei. Für ihr voraufklärerisches Gefasel hat sie zum Glück auch bereits von mehreren Seiten satte Prügel bezogen unter anderem leistet auch die Humanistische Union Hessen heftig Widerstand gegen Wolffs Vorstoss. Schließlich ließ sich sogar der feine Herr Koch dazu herab, abzuwiegeln und Frau Wolff in Schutz zu nehmen. Die taz spielt das ganze sogar wieder etwas herunter, vermutet, daß nach der großen Medienaufmerksamkeit sich ohnehin niemand mehr traut, offen zu den Kreationisten zu stehen.
Das Problem ist aber anderer Natur: jedes auch minimale Vorrücken der Kreationisten muß a priori, entschlossen und gemeinschaftlich von Wissenschaft UND Politik verhindert werden, unter anderem auch in Form einer geeigneten Wortwahl. Hierin liegt eine Gefahr, der Wolff erlegen ist, wie der Biologe U. Kutschera erläutert:
Die Ministerin benutzt die Sprache der Kreationisten und fällt auf deren Tricks herein, Wolff spricht von einer Evolutions- und einer Schöpfungstheorie. Aber diese Wortwahl ist ein Taschenspielertrick der Kreationisten, denn es gibt einerseits die Schöpfungsmythen und andererseits eine Evolutionsbiologie.
Wolff sagte ferner, daß
"Erklärungsmuster der Theorie der naturwissenschaftlichen Erkenntnis nicht widersprechen"
und daß es
erstaunliche Parallelen
zwischen Mythos (Schöpfung) und Realität (Evolution) gebe . Natürlich ist Frau Wolff als ausgerechnet ehemalige Religionslehrerin denkbar ungeeignet und unfähig, sich überhaupt qualifiziert zu irgendetwas, geschweige denn naturwissenschaftlichen Themen zu äußern und hätte sich mal lieber an Wittgensteins:
Wovon man nicht sprechen kann, davon muß man schweigen
gehalten, das Dieter Nuhr modern formulierte als:
Wenn man keine Ahnung hat, einfach auch mal Fresse halten.
Dies ist Frau Wolff dringlichst zu empfehlen aber auch darüber hinaus ist noch zu bemerken, daß der Schöpfungsmumpitz in den naturwissenschaftlichen Fächern nichts verloren hat, aus dem gleichen Grund, aus dem man auch nicht den Werwolf-Mythos beim Thema Säugetiere mitbehandelt oder versucht, Feenwesen taxonomisch einzuordnen. Nur weil in einem drittklassisgen Märchenbuch eine "alternative" und vor allem vollkommen unwissenschaftliche Auffassung über die Entstehung des Lebens verbreitet und von ein paar intellektuell und rational Schwachbrüstigen für wahr gehalten wird, ist das doch bitteschön keine Berechtigung, Lehrzeit darauf zu verschwenden und Schüler damit zu behelligen.
Noch mal zum Mitschreiben, Frollein Wolff: "Kreationismus" ist keine Wissenschaft, sondern ein Produkt der fundamentalistischen Religion! Es ist keine Alternative und es gibt auch keine wissenschaftliche Kontroverse darüber! Daß die moderne Biologie noch nicht alle Phänomene des Lebens erklären kann, ist absolut kein Grund, auf Schamanismus, (Aber)glaube und Metaphysik zurückzugreifen, sondern vielmehr Anlaß dazu, mehr fähige und nicht schon in Schulzeiten verseuchte Wissenschaftler auszubilden, die mit den Methoden der Wissenschaft die Lücken schließen!!!!
Deswegen darf man es sich auch nicht gestatten, über Frau Wolffs Bemerkungen lächelnd hinwegzusehen, denn so "harmlos" sie auf den ersten Blick erscheinen mögen, sind sie doch eine erste Handreichung, eine erste Geste des Willkommens für die Kreationisten. Denn wer kontrolliert, wenn dieser Schwachsinn - und sei es zunächst als unwissenschaftlicher Mythos - ersteinmal Einzug in naturwissenschaftliche Klassenzimmer gehalten hat, wie strikt dann noch eine scharfe Abgrenzung zur Wissenschaft dessen vermittelt wird? Sicher nicht Frau Wolff. Nein, dieser Mythos ist wie ein Krankheitserreger, dem Kinder nicht ausgesetzt werden dürfen!

Sonntag, Juni 24, 2007

Gefahr erkannt! Gefahr gebannt?

Holla! Nach dem EU-initiierten Rauchverbot kommt nun schon wieder ein absolutes Glanzlicht der Vernunft aus Strassburg: eine totale, vernichtende Absage an eine der größten Torheiten des menschlichen Geistes: Kreationismus und seine verlarvte Variante Intelligent Design:
Der Kulturausschuss im Europarat fordert die 47 Mitgliedsländer auf, den Kreationismus auf keinen Fall als gleichberechtigte Wissenschaftsdisziplin neben der Evolutionstheorie im Schulunterricht zuzulassen
Nicht nur hat man die vollkommene Unwissenschaftlichkeit dieses rein religiösen Humbugs erkannt, sondern auch, nicht zuletzt angesichts der Bemühungen der "Evangelikalen in den USA", die politische Dimension dahinter verstanden und sie ungewohnt und wirksam scharf als Angriff auf die Demokratie gegeißelt. In dem Papier stehen Sätze, die so schön und wahr sind, daß einem die Tränen kommen möchten, so erlöst ist man, daß es in der Politik doch noch Leute gibt, die solches schreiben:
Die Ablehnung der Wissenschaft ist zweifellos eine der größten Bedrohungen der Bürgerrechte.
Aber natürlich gibt es auch hier wieder einen Grund sich zu ärgern, denn das Europarat-Parlament hat das Papier, ohne Debatte !!!!, in den Ausschuß zurückverwiesen, der natürlich entsprechend und nachvollziehbarerweise geschockt war.
Wie kann man so eine Resolution zurückweisen? Wer ist so dumm, vernagelt oder fanatisch, daß er als Europäer!! nicht eine deutliche, gewichtige Abgrenzung gegen den Irrsinn, der sich gerade in den USA vollzieht, wünschen würde? In wessen Interesse wird denn da gehandelt? Ist dieses Parlament schon vom Ungeist der Religiösen durchwuchert? Gibt es in den EU-Staaten schon Lobbies, die Druck machen, der dem politischen Gewicht der evangelikalen Rechten in den USA vergleichbar wäre? Doch wohl nicht. Es gibt also keine Entschuldigung für einen Politiker, noch weniger sogar als in den USA, der religiös motivierten Wissenschaftsfeindlichkeit und dem gesetzten Ziel einer Theokratie von deren Vorbetern, nicht mit aller Schärfe und Entschlossenheit gegenüberzutreten. Die Arbeit war durch den Ausschuß schon gemacht worden, die Resolution hat genau den richtigen Ton und hätte sich Europa dies auf die Fahnen geschrieben, wäre es als Fanal der Vernunft erstrahlt.
Nun aber heißt es wieder bange abzuwarten und den Fundamentalisten weiter Gelegenheit zu geben, der Entbildung und Rückführung der Menschheit in die selbstverschuldete Unmündigkeit Bahn zu brechen.
Bravo!


Samstag, Oktober 14, 2006

Nano schützt vor Dummheit nicht!

Wie deutlich zu bemerken an einem Herrn, dessen dunkle Seite mir bislang gänzlich unbekannt war und nun erst recht eine Geißelung verdient! Cees Dekker, der Nano-Papst von der Universität Delft ist ein IDiot! So, jetzt ist es heraus! Tatsächlich, der Mann, dessen auf dem Feld der Nanowissenschaft forschende Gruppe Artikel in nature, science und PNAS publiziert, dessen Institut sich vor Geld und Förderung kaum retten kann, dem also ganz sicher gute und solide wissenschaftliche Arbeit zuzutrauen ist, glaubt an den intelligenten Designer, wenn nicht Schlimmeres. Der Typ ist in der Tat sogar ein Evangelikaler! Besonders verwerflich finde ich dabei seine G'schamigkeit, was das angeht! Er weiß genau, daß man ihm seine Publikationen erst um die Ohren hauen und dann in der Toilette runterspülen würde, wenn darin auch nur ein Iota seiner krausen Weltsicht erkennbar wäre, neinnein, seine Wissenschaft ist (noch) sauber. Aber schauen wir doch mal hier nach, auf seiner persönlichen Seite. Da finden wir die Leichen im Keller, die Schmuddelkinder seines Schaffens: Bücher, die es wohlweislich (wahrscheinlich um der Kritik durch die englischsprachige Wissenschaftsszene zu entgehen) nur auf Holländisch gibt und die Titel tragen, wie "Schuf Gott den Menschen oder schuf der Mensch Gott" oder "Und Gott schuf einen Wurm". Wir finden u.a. Links zu einer äußerst zweifelhaften und unwissenschaftlichen Kritik (in Form einer Lesung) an R. Dawkins und seinen Werken und zu einem Forum, das sich selbst, wie in ID-Kreisen üblich, die Wahrheit aufs Panier schreibt, das Veritas-Forum, dessen Mission folgende ist:

We create forums for the exploration of true life.
We seek to inspire the shapers of tomorrow’s culture
to connect their hardest questions with
the person and story of Jesus Christ.
Also, das "wahre Leben" (im Gegensatz nochmal zu was? Falschem Leben? Oder gar "unwertem" Leben, ja?) soll erforscht und alle drängenden großen und offenen Fragen sollen doch bitte in bezug auf und unter Berücksichtigung von der Person Jesus (also eines angeblichen Schreiners vor ca. 2000 Jahren) und seines Lebens betrachtet und nach Möglichkeit beantwortet werden. Das kann kein denkender Mensch und erst recht kein Wissenschaftler ernsthaft wollen!

Weiterhin finden sich Links zu dubiosen Zusammenschlüssen pseudoseriöser und pseudowissenschaftlicher Projekten, die "frei von externen, programmatischen Einschränkungen wie Materialismus, Naturalismus und Reduktionismus" komplexe Systeme zu erforschen zum Ziel haben. Anders ausgedrückt: man versucht dort, ohne sich durch die Knechtungen logischen und rationalen Denkens und die Zwänge, die einem die Beweispflicht auferlegt, behindern zu lassen, Erklärungen...ja...herzuzaubern, die ggf. vielleicht doch mit dem cleveren Designer vereinbar sind. Witzigerweise liefert diese Plattform die Möglichkeit zum Peer-Review gleich mit, damit 1.) nicht die richtigen Wissenschaftler der echten scientific community deren Werke in der Luft zerreißen und 2.) um sich den Anstrich der Seriosität zu geben, man ist ja schließlich "peer-reviewed", gelle? *zwinkerzwinker*

Argumentativ ist Herr Dekker natürlich äußerst schwachbrüstig unterwegs, wenn er konstatiert, daß die Evolutionstheorie, die er ja eigentlich ganz klasse finde, ja auch 99% der Biologie erklären könne, aber das eine Prozent eben nicht und das sei ja das Interessante. Implizierend, natürlich, daß "interessant" heißt, daß die Lücken in der Evolutionstheorie, die sie als wissenschaftliche Theorie nun einmal hat und haben darf, zwangsweise das Vorhandensein eines "Designers" (vulgo: Schöpfer) bedeute. Ein üblicher, uralter und unzutreffender Winkelzug der IDiotie, die, in Ermangelung eines einzigen stichhaltigen Beweises für intelligentes Design, immer wieder und wieder der Evolutionstheorie vorwirft, nicht alles erklären zu können und damit nichtig zu sein, was im Umkehrschluß ja bedeuten müsse, daß die Theorie des ID stimme. Dümmer geht's nimmer!
Ich finde es traurig und mitleiderregend, daß ein Herr Dekker es nicht nötig hat, bzw. nicht über
ausreichende geistige Disziplin verfügt, die ungeschlachte und allzu offensichtliche Unwissenschaftlichkeit und Irrationalität dessen, was er da vertritt zu erkennen. Dadurch erniedrigt er sich selbst, verunglimpft sein Institut, schmälert - in meinen Augen - seine Glaubwürdigkeit (zumindest, was seine Motive angeht) und ist eine glatte Schande für die Wissenschaft!