Dienstag, Januar 23, 2007

Kranke Namen, krankes Land

Ich habe mich schon oft über Namen aufgeregt. Es gibt dabei mehrere Kategorien, die jede für sich übel ist, die sich aber teilweise auch überschneiden. Und dann gibt es die Opfer, die ein Leben lang dieses Joch mit sich schleppen müssen.

Zunächst ist da die Kategorie "affige Namen". Die gibt es überall und immer wieder. Auch und gerne in Deutschland. Häufig aber keineswegs immer entspringen sie den Hirnen, sagen wir "einfacher Leute", die der Auffassung sind, daß ihr Sprössling etwas ganz besonderes sei und werden solle und daher auch eines ganz besonderen, gerne auch mystischen, kitschigen und/oder als "fein" empfundenen französischen Namens bedarf.
So heißt dann gerne die 400 Pfund schwere Fleischereifachverkäuferin "Bijou" oder "Genevieve" oder "Jaqueline" (ausgesprochen natürlich als "BISCHu", "SCHÄNNevieff" und "SCHACKelin"), der kleine Junge auf dem Spielplatz, der soeben eine guten Mund voll Popel verspeist hat, heißt "Jaquard" und wird "SCHAKwacht" gerufen. Das Mädchen, welches schon mit 4 Jahren Kreolen, Glitzernagellack und Asipalme aufträgt, nennt sich dafür dann auch "Pocahontas" oder "Delphine". Aber auch Oberschicht und '(B-G)-Prominenz' sind keineswegs gefeit vor dem Bedürfnis nach/Befall von affigen Namen. Dort nennt man seine Blagen gerne auch nach Wetterphänomenen; Wolke zum Beispiel.
Dann gibt es die Kategorie "penetrante Doppelnamen", die neuerdings gerne mit affigen Namen kombiniert wird. Diese erklären sich so: natürlich ist das Blag so göttlich und wichtig, daß es mit einem Namen nicht angemessen bedient ist. Und man kann auch zudem mal seiner Kreativität Ausdruck verleihen, indem man einfach mal zwei Namen, die man ohnehin beide toll findet, aneinander klatscht ohne jeden Gedanken daran, ob sie zusammenpassen (in 97% aller Fälle nicht), gut klingen (in 98% aller Fälle nicht), ihr Träger damit wie eine Witzblattfigur heißt oder in Kombination auch noch in die Kategorie "affige Namen" fallen. Beispiele sind: "Sven-Kevin", "Kevin-Marvin", "Ronny-Götz", "Jörn-Donald", "Tara-Mara", "Lea-Bea", "Lindsay-Lisa" und so weiter und so fort. Das penetrante wird übrigens erzeugt, indem die armen Opfer immer und eben penetrant mit dem vollen Doppelnamen gerufen werden, der dann von der "jungen Mutter" natürlich nervig skandiert wird, was, angesichts der oft nötigen Wiederholung von Aufforderungen an Kinder, die Penetranz des ganzen nahezu explodieren läßt. "Cedrik-Malte! Komm her! Cedrik-Malte, Du sollst herkommen! Cedrik-Malte, komm jetzt!! Komm da jetzt runter, Cedrik-Malte!!!!!" Aaaarg! Ein traurig-prominentes (und auch die erste Kategorie voll tangierendes), weil in ihrer Funktion als Tagesschausprecherin zur grotesken Parodie ihrer selbst geronnenes Beispiel ist "Kay-Sölve Richter". Ich meine, WAS ZUM TEUFEL haben sich die Eltern bloß dabei gedacht? Und welcher volltrunkene Standesbeamte hat das zugelassen? Wie oft ist die Dame für einen Herrn namens Kai Sölve-Richter gehalten worden und wie oft auf dem Schulhof verdroschen? Oder das arme Schwein von Nachkomme des Herrn Ochsenknecht (und zwar nicht nur wegen des Nachnamens und desjenigen, von dem er ihn hat)! Der Knabe muß tatsächlich Jimi-Blue heißen. Ob Vatter O. damit die Farbe der Veilchen, die sein Sohn täglich auf dem Schulhof verpasst bekommen haben dürfte, vorwegnehmen wollte oder den eigenen physiologischen Zustand zum Zeitpunkt, als er sich den Scheiß ausgedacht hat, abbilden wollte, kann man nur spekulieren, sicher sein kann man hingegen, daß es bei dem irgendwo reinregnen muß. Auch nicht besser ist "Cosma Shiva". Wie es zu dem Namen kam, wird so überliefert: "Cosma (= Kosmos) geht auf ein behauptetes UFO-Erlebnis während der Schwangerschaft zurück, und Shiva ist eine Remineszenz an die gleichnamige Gottheit" HALLO!?! Kann denn ein Kind gezwungen werden, eine Kombination aus bizarrem Hindu-Gott und dem Ergebnis eines üblen Psilo-Pilz-Trips als Name zu tragen, nur weil die eigene verrückte Olle die Socken offen hat ?!
Generell scheint auch die Unsitte, seinem Sohn den Zweitnamen "Maria" zu geben, wieder in Mode zu kommen. Ich habe es nie verstanden, nicht bei Carl Maria von Weber und nicht beim fetten Markus Maria Profitlich, aber immer schon geisteskrank und frömmelnd-schizophren gefunden. Da mich das allerdings immer an das Lied "Junge namens Susi" vom mächtigen Mike Krüger erinnert, lasse ich da mildernde Umstände gelten.
Die dritte Kategorie ist "Einfach nur kranke Namen". Darin sind die Amerikaner ungeschlagene Weltmeister. Dort gibt es offenbar kein Gesetz, das Kinder vor den Drogenräuschen, Egotrips oder sonstigen Hirnausfällen ihrer Eltern schützt, so daß dort die mit Abstand unglaublichsten aber auch wirklich krankesten Kreationen zustande kommen. Ich frage mich immer, ob die Eltern nicht vorhersehen können, wie schwer es Kinder mit solchen Namen haben. Wenn man zum Beispiel als Mädchen "Mondeinheit", "Apfel" oder "Himmlische Hirani Tigerlily" heißen muß, so ist das schlicht und ergreifend menschenverachtend und ich würde mir als Eltern schon mal ein paar Worte zurechtlegen, wenn mich die Reporter dann später fragen, warum mein Kind nach einem Amoklauf irre lachend von einem Kirchturm gesprungen ist.
Auch die hirnrissige Idee, die Blagen nach Staaten ("Dakota"), Stadtteilen ("Brooklyn"), bevorzugten Tugenden ("Honesty", "Hope"), beliebten Wüstenlandschaften ("Zahara") oder mittelalterlichen Musikern ("Piper") zu nennen, kann man wohl nur im angelsächsischen Sprachraum finden. Aber auch hier gibt es sowas: ich selbst kenne jemanden, eine sie, die "Wobeke" heißen muß. Auch kein Geschenk!
Der eigentliche Anlaß für diesen Post ist übrigens auch ein Vertreter aus Kategorie drei: bei Pharyngula gab es einen Artikel, der über ein Mädchen berichtete, daß sich schon in früher Jugend löblicherweise zum Atheismus bekannte. Dieses Kind jedoch ist dennoch verdammt, denn es trägt den Namen bzw. Bezeichnung "Possum#1" (sic!), also Opossum Nr. 1 (und JA, das Geschwisterkind heißt "Possum#2"). Ich war und bin sprachlos!

Nachtrag: wir sind nicht allein! Es gibt einen soziologischen Terminus für diese neue Volksseuche: Kevinismus. Dabei handelt es sich - und die Formulierung spricht mir aus dem Herzen - um:
die krankhafte Unfähigkeit, menschlichem Nachwuchs menschliche Namen zu geben
Zur Herkunft der Namen:
Die favorisierten Namen kann man eindeutig in die Kategorien Kitsch und Naivität einordnen. Sie stammen häufig aus mehr oder weniger erfolgreichen Telenovelas oder sind Namen aus anderen fragwürdigen Quellen.
Leider sieht die Prognose wohl düster aus:
Kevinismus ist ein großes soziales Problem in Deutschland. Da die Erkrankten zeitweise unzurechnungsfähig sind, geht von ihnen eine große Gefahr aus. Häufig sind schon Lebenspartner, die die Behandlung nicht selbstbewusst genug durchgeführt haben, von den Erkrankten in einem akuten Anfall verletzt worden.
Kinder, die mit diesen Namen gesegnet sind, haben oftmals eine schwierige Kindheit vor sich. Sie werden häufig von den anderen Kindern im Kindergarten und später von ihren Klassenkameraden gehänselt. Sie entwickeln sich in dieser Phase zu AK oder werden introvertiert. Eine kriminologische Bewertung geht davon aus, dass diese Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, Elternmörder oder Amokläufer zu werden.
Auch kann nicht verkannt werden, dass ihnen der soziale Aufstieg meistens verwehrt bleibt. Spätestens beim Bewerbungsgespräch erfahren sie die volle Härte, die der von den Eltern vergebene Name mit sich bringt. Kinder prominenter Eltern werden dagegen keine Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen haben, da ihnen generell kein Umgang mit Gleichaltrigen erlaubt wird. Bei den weiblichen Erwachsenen kommt erschwerend hinzu, dass mit ihren Namen das Prostitutionsgewerbe assoziiert wird.
Im Zuge der immer größer werdenden Volksverdummung im deutschen Fernsehen - insbesonders durch immer neue Telenovelas und Daily Soaps - und wegen der gefährlichen Übersättigung des internationalen Musikmarktes mit Boygroups ist davon auszugehen, dass diese Krankheit in den folgenden Jahren und Jahrzehnten pandemische Ausmaßen annehmen wird. Es ist zu befürchten, dass von Kevinismus eine größere Gefahr ausgehen wird als von der Klimaerwärmung.
Es tut so gut, zu wissen, daß das Problem nicht nur ein paar wenigen auffällt!



4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nicht zu vergessen der kleine Junge, dessen Eltern ihn Thomas nennen wollten, denen jedoch daran gelegen war, dass der Name auch englisch ausgesprochen wird (ist ja viel cooler) und ihn darum "Tommes" (sic!!!) nannten.
Die Zukunft des Kindes ist vorauszusehen: Schon im Kindergarten ständig gehänselt, in der Schule schließlich nur noch als der Pommes-Junge bekannt, schließlich mit 16 nach einem mißglückten Selbstmordversuch und ohne jegliche soziale Kontakte, seine Eltern für all sein Elend (zu recht) verantwortlich machend, endet er mit einer Schrotfilte auf einem Kirchturm, Forderungen schreiend.
Traurig...

Anonym hat gesagt…

As Bedürfenis, doppelte Namen zu verwenden, spiegelt auch en Zeitgeist wieder. Warum sonst haben wir gerne Eis, Kaffee oder Joghurt der Sorte "Wildzitrone-Aloe Vera" oder "Rote Physalis-Mascarpone"?

Anonym hat gesagt…

'abend Cornelibus !
Deine sehr lustige geschichte sagt nicht ob du in deiner kindheit mit deinen nahmen schwirigkeiten hattest.
Man muss auch sehen dass von einen land zum anderen nahmen sich mehr oder weniger affig anhoeren.
'Cornelius', muss ich zugeben, laest meine freunde schon ein bischen perplex.
Tja... und mein nahme ist auch
sehr schoen, wie ich erfahren habe, erwaent es in deutschland etwas ganz bestimtes. Damit kann man aber auch schoen spielen. Mein liebster spruch kennst Du ja: "Isch bin der... !"

Anyway, gruss aus Frankreich !

Louis Mustafa Agamemnon.

Anonym hat gesagt…

tja, mein eigener Name war nicht immer leicht zu haben oder für andere Kinder leicht auszusprechen, ist aber wenigstens ein alter, "traditioneller" Name, so wie Louis oder Ludwig, den sich meine Eltern nicht ausgedacht haben.
Die Seltenheit macht ihn ungewöhnlich, aber affig isser nich...